Nach Flucht aus offenem Vollzug: Windkraft-Betrüger Hendrik Holt in Dubai gefasst
Rund einen Monat nach seiner spektakulären Flucht aus einer Berliner Justizvollzugsanstalt ist der als „Windkraft-Schwindler“ bekannte Hendrik Holt in Dubai festgenommen worden. Der 36-Jährige war Ende August von einem genehmigten Ausgang nicht in die Haftanstalt zurückgekehrt. Über seinen Aufenthaltsort wurde seither weltweit spekuliert.
Die Festnahme in Dubai
Die Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigte am Dienstag die Festnahme Holts in Dubai. Sie erfolgte im Zuge der gemeinsamen Fahndungsmaßnahmen der Staatsanwaltschaft Osnabrück und der Direktionsfahndung der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück. Zuvor hatten die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ und „OM-Online“ über den Zugriff berichtet.
Holt befinde sich weiterhin in Dubai, hieß es von behördlicher Seite. Als nächster Schritt müssten nun die Auslieferungsunterlagen übermittelt werden – ein Verfahren, das je nach Kooperation der Vereinigten Arabischen Emirate einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Nach dem aus dem emsländischen Haselünne stammenden Holt war zuvor weltweit mit einem europäischen Haftbefehl gefahndet worden.
Die Flucht aus dem offenen Vollzug
Holt war seit Ende Oktober 2024 im offenen Vollzug einer Berliner Justizvollzugsanstalt untergebracht. Am 25. August kehrte er von einem genehmigten Ausgang nicht mehr zurück. Einen Tag später ging bei der Anstalt eine E-Mail ein, in der Holt sinngemäß mitteilte, er werde nicht wiederkommen. Laut Medienberichten soll darin wörtlich gestanden haben, er komme nicht zurück.
In den Tagen nach seinem Verschwinden tauchte zudem ein Instagram-Beitrag auf, der Holt zugeschrieben wurde und Grüße „aus Moskau“ enthielt – samt Anspielung auf Kaviar. Die Staatsanwaltschaft erklärte damals, der Post sei ihr bekannt, eine Bewertung dazu gebe man mit Verweis auf die laufende Fahndung aber nicht ab. Ob Holt sich tatsächlich zeitweise in Russland aufhielt, blieb ebenso offen wie die Frage, auf welchem Weg ihm die Flucht überhaupt gelang. Der Flughafen Rostock, über den ebenfalls spekuliert worden war, dementierte, dass Holt von dort ausgereist sei.
Wer ist Hendrik Holt?
Der heute 36-Jährige wurde bundesweit bekannt, weil er über ein Familienunternehmen jahrelang ausländischen Investoren und Stromkonzernen angeblich existierende Windparks in Deutschland verkaufte, die es in Wirklichkeit nicht gab. Mit den daraus erzielten Millionensummen finanzierte er nach Ermittlerangaben einen aufwendigen Lebensstil. Erstmals festgenommen wurde Holt bereits im April 2020 im Berliner Hotel Adlon.
2022 verurteilte ihn das Landgericht Osnabrück wegen bandenmäßigen Betrugs, Bestechung und Urkundenfälschung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren. Über Holt, der einen Teil der Haft bereits abgesessen hatte, gibt es zudem eine ARD-Dokumentation mit dem Titel „Holt – Der Windkraft-Schwindler“. Gegen ihn läuft außerdem ein Insolvenzverfahren; Forderungen von rund 40 Millionen Euro, überwiegend von geschädigten Investoren, sind nach Angaben des Insolvenzverwalters gegen ihn angemeldet.
Ein Ermittler, der Holt seit Jahren kennt
Der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Nils Leimbrock, der Holt bereits einmal ins Gefängnis gebracht hatte und auch die erneute Fahndung leitete, beschrieb den Fall als kaum zu überbietenden Fall von Absurdität. Er hielt Holt für einen intelligenten Mann mit einem ausgeprägten Gespür dafür, was sein Gegenüber hören wolle. Leimbrock äußerte zudem die Vermutung, Holt habe Gefallen an öffentlicher Aufmerksamkeit gefunden – ein Umstand, der ihm zufolge letztlich zur erneuten Ergreifung beitragen könnte.
Wie geht es weiter?
Mit der Festnahme in Dubai ist der Fall juristisch noch nicht abgeschlossen. Zunächst muss geklärt werden, ob und wie schnell eine Auslieferung nach Deutschland erfolgen kann. Erfahrungsgemäß können solche Verfahren mit den Vereinigten Arabischen Emiraten mehrere Wochen bis Monate dauern. Holt müsste nach seiner Rückkehr die Reststrafe seiner 2022 verhängten Haftstrafe antreten; zusätzliche Vorwürfe im Zusammenhang mit seiner Flucht könnten das Verfahren weiter verlängern.
- 25. August 2026: Holt kehrt von genehmigtem Ausgang nicht in JVA Berlin zurück.
- 26. August 2026: Abschieds-E-Mail an die Gefängnisleitung.
- Ende August 2026: Mutmaßlicher Instagram-Post mit Grüßen „aus Moskau“.
- 23. September 2026: Festnahme in Dubai durch internationale Fahndungsmaßnahmen.
- Verurteilung 2022: fast neun Jahre Haft wegen bandenmäßigen Betrugs, Bestechung und Urkundenfälschung.
Quellen: Staatsanwaltschaft Osnabrück, dpa-Berichterstattung, „Hannoversche Allgemeine Zeitung“, „OM-Online“. Stand: 24. September 2026. Angaben ohne Gewähr, Auslieferung und weiterer Verfahrensverlauf noch offen.