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Unternehmerische Führung und Strategiebesprechung im modernen Geschäftsumfeld
Unternehmer im Fokus

Wolfgang Grupp bleibt gefragt: Was seine Unternehmerphilosophie dem deutschen Mittelstand heute noch zu sagen hat

Nach der Übergabe der operativen Führung von TRIGEMA an die nächste Generation bleibt Wolfgang Grupp dem Familienunternehmen verbunden. 2026 bringt er seine jahrzehntelange Erfahrung wieder als Berater ein.

Von Redaktion Wirtschaftsjournalismus Themenfeld: Unternehmertum & Mittelstand Publiziert am:

Wolfgang Grupp gehört zu den bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands. Über Jahrzehnte stand er an der Spitze von TRIGEMA und machte das Familienunternehmen mit einer klaren Positionierung, eigener Produktion und einer ungewöhnlich persönlichen Unternehmerphilosophie zu einer der bekanntesten Marken der deutschen Textilbranche. Auch nach seinem Rückzug aus der Geschäftsführung ist sein Rat gefragt.

1969 übernahm Wolfgang Grupp die Geschäftsleitung des Familienunternehmens. TRIGEMA war zu diesem Zeitpunkt stark diversifiziert und verschuldet. Grupp richtete das Unternehmen neu aus, konzentrierte sich wieder stärker auf die Kernbereiche und baute insbesondere die Bereiche T-Shirts und Tennisbekleidung aus. Nach Angaben von TRIGEMA wurden die bestehenden Schulden in den 1970er-Jahren vollständig zurückgezahlt.

Unternehmerische Strategiebesprechung als Symbol für Führung und Verantwortung
Wolfgang Grupp prägte TRIGEMA über Jahrzehnte mit einer klaren unternehmerischen Linie und einem starken Bekenntnis zum Produktionsstandort Deutschland.

54 Jahre an der Spitze eines Familienunternehmens

Die Dauer seiner Unternehmensführung ist bereits für sich genommen bemerkenswert. Nach 54 Jahren zog sich Wolfgang Grupp Ende 2023 aus der Geschäftsleitung zurück. Seit 2024 liegt die Verantwortung bei seinem Sohn Wolfgang Grupp junior, seiner Tochter Bonita Grupp und seiner Ehefrau Elisabeth Grupp.

Der Generationenwechsel wurde dabei nicht als vollständiger Bruch mit der Vergangenheit verstanden. Die neue Geschäftsführung betont weiterhin die Bedeutung der Werte, die TRIGEMA als Familienunternehmen geprägt haben. Gleichzeitig soll die Marke modernisiert und für die nächste Generation weiterentwickelt werden.

1969 Wolfgang Grupp übernimmt die Geschäftsleitung des Familienunternehmens.
54 Jahre So lange prägte Wolfgang Grupp die operative Unternehmensführung von TRIGEMA.
2024 Die nächste Generation übernimmt die Führung des Familienunternehmens.

Warum Wolfgang Grupps Erfahrung weiterhin gefragt ist

Der Generationenwechsel bedeutet nicht automatisch, dass die Erfahrung der vorherigen Unternehmergeneration an Bedeutung verliert. Genau das zeigt sich bei TRIGEMA. Im März 2026 wurde bekannt, dass Wolfgang Grupp wieder regelmäßig im Unternehmen arbeitet und die neue Geschäftsführung als Berater unterstützt.

Sein Sohn Wolfgang Grupp junior erklärte gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“, dass der Vater regelmäßig ins Büro komme und mitarbeite. Damit bleibt ein Unternehmer, der mehr als fünf Jahrzehnte an der Spitze des Unternehmens stand, weiterhin in strategischen und unternehmerischen Fragen erreichbar.

Für ein Familienunternehmen kann diese Verbindung zwischen Erfahrung und neuer Führung ein wichtiger Vorteil sein. Die nächste Generation kann eigene Entscheidungen treffen und gleichzeitig auf das Wissen eines Unternehmers zurückgreifen, der das Unternehmen über Jahrzehnte aufgebaut und durch unterschiedliche wirtschaftliche Phasen geführt hat.

Familienunternehmen und Generationenwechsel in der Unternehmensführung
Der Generationenwechsel bei TRIGEMA verbindet die Erfahrung des langjährigen Unternehmers mit den neuen Impulsen der nächsten Generation.

Unternehmerische Verantwortung statt kurzfristiger Orientierung

Wolfgang Grupp hat seine öffentliche Wahrnehmung über Jahrzehnte vor allem durch eine sehr klare Vorstellung von Unternehmertum geprägt. Für ihn gehört Verantwortung unmittelbar zur Rolle des Unternehmers. Entscheidungen sollen nicht ausschließlich an kurzfristigen Marktbewegungen ausgerichtet werden, sondern an der langfristigen Entwicklung des eigenen Unternehmens.

Dazu gehört bei TRIGEMA auch die konsequente Positionierung als produzierendes Unternehmen in Deutschland. Auf seiner aktuellen Unternehmensseite bezeichnet sich TRIGEMA weiterhin als Familienunternehmen mit 100 Prozent Produktion in Burladingen. Die Geschäftsführung verbindet damit den Anspruch, Arbeitsplätze und den Produktionsstandort langfristig zu sichern.

Die eigentliche Frage beim Generationenwechsel lautet nicht, ob die nächste Generation genauso führt wie die vorherige – sondern ob sie die Verantwortung für die Zukunft des Unternehmens übernimmt.

Made in Germany als Teil der Unternehmensstrategie

Ein wesentlicher Bestandteil der Marke TRIGEMA ist die Produktion in Deutschland. Das Unternehmen positioniert sich weiterhin mit dem Anspruch, vollständig in Burladingen zu produzieren und damit einen großen Teil der Wertschöpfung am eigenen Standort zu halten.

In einer Zeit, in der Unternehmen ihre Lieferketten international optimieren und Produktionsstandorte zunehmend nach Kosten auswählen, stellt diese Strategie einen bewussten Gegenentwurf dar. Sie bringt höhere Anforderungen an Kosten, Prozesse und Effizienz mit sich – kann gleichzeitig aber zur Differenzierung einer Marke beitragen.

TRIGEMA betont heute neben Qualität und Produktion in Deutschland auch Nachhaltigkeit und langfristige Arbeitsplatzsicherung. Damit wird deutlich, dass die frühere Positionierung nicht einfach konserviert, sondern von der neuen Generation weiterentwickelt werden soll.

Die nächste Generation will keine Kopie des Vaters sein

Wolfgang Grupp junior und Bonita Grupp stehen dabei vor einer besonderen Ausgangslage. Sie übernehmen nicht irgendein Unternehmen, sondern eine Marke, die stark mit der Persönlichkeit ihres Vaters verbunden ist.

Wolfgang Grupp junior betonte 2026, dass er seinen Vater nicht kopieren wolle. Ziel sei vielmehr, das Unternehmen nachhaltig weiterzuführen und gleichzeitig einen eigenen Weg zu gehen.

Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen für Familienunternehmen: Tradition kann ein erheblicher Wettbewerbsvorteil sein – sie darf aber nicht dazu führen, dass notwendige Veränderungen ausbleiben.

Was der Fall TRIGEMA dem Mittelstand zeigt

Der Generationenwechsel bei TRIGEMA steht beispielhaft für eine Frage, mit der sich zahlreiche mittelständische Familienunternehmen beschäftigen müssen: Wie lässt sich das Wissen einer Unternehmergeneration erhalten, ohne die Entscheidungsfreiheit der nächsten Generation einzuschränken?

Bei TRIGEMA wurde dafür ein Modell geschaffen, bei dem die operative Verantwortung bei der neuen Generation liegt, während Wolfgang Grupp seine Erfahrung weiterhin einbringen kann. Die Rolle des ehemaligen Chefs verändert sich damit: Aus dem Entscheider wird ein Berater.

Für andere Familienunternehmen kann daraus eine interessante Lehre entstehen. Ein erfolgreicher Generationswechsel muss nicht bedeuten, dass die Vergangenheit vollständig aus dem Unternehmen verschwindet. Entscheidend ist vielmehr, wie Wissen, Verantwortung und neue Ideen miteinander verbunden werden.

Eine Unternehmerpersönlichkeit zwischen Tradition und Veränderung

Wolfgang Grupp polarisiert. Seine Aussagen zu Führung, Arbeitswelt, Standortpolitik und unternehmerischer Verantwortung sorgen regelmäßig für Diskussionen. Gleichzeitig lässt sich seine jahrzehntelange Wirkung auf TRIGEMA nicht von seiner öffentlichen Persönlichkeit trennen.

Sein Ansatz war über Jahrzehnte konsequent: klare Verantwortung, langfristige Orientierung, eine starke Bindung an den eigenen Standort und die Bereitschaft, unternehmerische Entscheidungen persönlich zu vertreten.

Ob diese Philosophie in allen Punkten auf die heutige Wirtschaftswelt übertragbar ist, bleibt eine offene Frage. Sicher ist jedoch: Die Debatte über Verantwortung von Unternehmern, Produktionsstandorte und langfristige Unternehmensführung ist aktueller denn je.

Fazit: Erfahrung bleibt ein unternehmerischer Wert

Wolfgang Grupp ist heute nicht mehr der operative Geschäftsführer von TRIGEMA. Dennoch zeigt seine Rückkehr als Berater, dass ein Generationenwechsel nicht automatisch das Ende des Einflusses eines Unternehmers bedeutet.

Die neue Generation führt TRIGEMA mit eigenen Vorstellungen weiter, während die Erfahrung des langjährigen Unternehmers weiterhin genutzt werden kann. Für den deutschen Mittelstand ist das ein interessantes Modell: Tradition und Veränderung müssen sich nicht ausschließen.

Entscheidend wird sein, ob es der nächsten Generation gelingt, die wirtschaftliche Substanz und die Werte des Familienunternehmens zu bewahren und gleichzeitig neue Märkte, Technologien und Kundenbedürfnisse zu erschließen.

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Quellenangabe & Redaktion: WirtschaftsPresse Portal Redaktion. Datenbasis: TRIGEMA Unternehmensgeschichte und Angaben zur Unternehmensphilosophie; aktuelle Berichterstattung von dpa/DIE ZEIT zur Beratertätigkeit von Wolfgang Grupp im Jahr 2026; aktuelle Berichterstattung zur Unternehmensführung durch Wolfgang Grupp junior und Bonita Grupp. Weitere Informationen finden Sie unter TRIGEMA Unternehmensgeschichte sowie TRIGEMA Philosophie & Werte .